CDU lehnt „Wohnblock-Viertel“ am Kalksee ab
Bebauungsplan Rüdersdorfer Straße 44-46 (ehemalige Ertel-Werft und benachbarte Areale) mit knapper Mehrheit beschlossen
von Achim Schneider
Knapper ging es nicht: Mit 9:8 Stimmen hat die Gemeindevertretung den aktuellen Entwurf des Bebauungsplans (B-Plan) „Rüdersdorfer Straße 44-46“ bestätigt. Damit ist der Weg frei für weitere Planungen und letztlich für die Bebauung des Areals rund um die ehemalige Ertel-Werft an der Rüdersdorfer Straße. Eines der letzten freien Grundstücke am Wasser wird dann mit großen Mehrfamilienhäusern zugebaut. Für die Realisierung muss der Flächennutzungsplan (FNP) geändert werden. Bislang ist dort als Nutzungszweck „Freizeit & Erholung“ vorgesehen. Die CDU hat sich dagegen ausgesprochen. Am Ende vergeblich.
Die Überlegungen zur Bebauung sind nicht neu. Schon seit Jahren versuchen Investoren, dieses attraktive Grundstück in Bauland zu verwandeln. Nun scheint es zu gelingen. Und wie. Der nun beschlossene B-Plan sieht unmittelbar an der Rüdersdorfer Straße zwei große viergeschossige (!) Gebäude vor, die sich quasi als Riegel vor das gesamte Wohngebiet legen. Dahinter entstehen weitere 5 Wohnblöcke mit Tiefgaragenstellplätzen. Auf das Stichwort Tiefgarage angesprochen bestätigte der Vertreter des Investors im Ortsentwicklungsausschuss, dass die Wohnungen eher für die gehobenen Einkommensklassen in Frage kommen. Der Bedarf an kleinen und preiswerten Wohnungen, der in Woltersdorf so dringend sowohl für junge als auch für ältere Menschen besteht, kann, soll und wird damit nicht gedeckt werden. Das Wohngebiet entsteht am örtlichen Bedarf vorbei.
Schon bei den Diskussionen in der vergangenen Wahlperiode haben wir als CDU die Pläne, die für eine Bebauung dieses Areals vorgestellt wurden, mit großer Skepsis betrachtet. An dieser Skepsis hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Je konkreter die Pläne werden, desto mehr bestätigen sich unsere Befürchtungen.
Wir stellen es grundsätzlich in Frage, dass hier ein kleiner Ausschnitt aus dem FNP geändert wird, ohne das Ganze zu betrachten. Der fälligen Überarbeitung des FNP wird so vorgegriffen, ohne dass die ganzheitliche Betrachtung stattgefunden hat. Stellen wir bei der Überarbeitung des FNP, die nächstes Jahr beginnen soll, fest, dass dort für die Ortsentwicklung eigentlich was anderes hingehört, ist es dafür dann wohl zu spät. Für uns ist auch nicht erklärbar, warum der ursprünglich vorgesehene Nutzungszweck „Freizeit & Erholung“ ohne tiefere Prüfung über Bord geworfen wird. Unsere Vorgänger in der Gemeindevertretung haben sich da sicher was bei gedacht.
Mit Blick auf die konkrete Bauplanung glauben wir nicht, dass der vorgestellte Plan für das Wohngebiet zu Woltersdorf passt. Hier wird ein Wohnviertel geschaffen, das sich aufgrund der zu erwartenden Struktur vermutlich nicht in den Gesamtort integrieren wird. Wohnungen für Besserverdiener, die vermutlich einer starken Fluktuation ausgesetzt sind – die Wohnungen sind für die Mieter vermutlich häufig nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum eigenen Haus – und die Bewohner dadurch nur wenig an Woltersdorf binden. Die Nähe zu Rüdersdorf und die schwache Anbindung von dort an den Ortskern Woltersdorf tun ein Übriges.
Und am wenigsten können wir uns mit der Planung anfreunden, dass hier Baurecht für viergeschossige Wohngebäude geschaffen werden soll. So stellen wir uns die künftige Bebauung in Woltersdorf nicht vor. Mit dem jetzt beschlossenen B-Plan werden Präzedenzfälle für Woltersdorf geschaffen, die wir so nicht wollen. „Den Charakter von Woltersdorf erhalten“, stand in unserem Wahlprogramm zur Kommunalwahl. Dazu stehen wir. Deshalb haben wir dem B-Plan nicht zugestimmt.